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Stadtrat entscheidet sich für Gentechnik
Erneut kam im Stadtrat keine Mehrheit für ein gentechnikfreies Erfurt zustande. Der Antrag von BÜNDNIS ’90/ DIE GRÜNEN „Für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Erfurt“ wurde abgelehnt. Ziel von BÜNDNIS ’90/ DIE GRÜNEN war es, den Anbau von genetisch veränderten Pflanzen auf stadteigenen Flächen nicht zuzulassen und in das Aktionsbündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen einzutreten. Viel diskutiert wurde über die Risiken und Chancen der Gentechnik. Reinhard Duddek, Stadtrat der Fraktion DIE LINKE sagte, dass die Schädlichkeit von genmanipulierten Pflanzen nicht widerlegt werden könne. Seine Partei fordert unter anderem die Schaffung von gentechnisch freien Regionen, eine klare Kennzeichnung von Lebensmitteln und ein Verbot des Anbaus von gentechnisch veränderten Organismen. Reinhard Duddek, zur Notwendigkeit von Gentechnik in Erfurt:
„Die Linke ist dabei der Überzeugung, dass es für Erfurt keinen hinreichenden Grund gibt weshalb gentechnisch veränderte Kulturen, auf Feldern die der Stadt Erfurt gehören angebaut werden sollten.“
Des Weiteren spricht Reinhard Duddek ein mögliches wirtschaftliches Problem der Monopolisierung der amerikanischen Firma „Monsanto“ an. Die seiner Meinung nach dazu führt, dass die wirtschaftlichen Gewinne nur wenigen Firmen zu Gute kommen werden.
Ingeborg Aßmann, Fraktionsvorsitzende der FREIEN WÄHLER, vertritt eine gegenteilige Meinung.
„in Amerika diese Firma „Monsanto“ die wird natürlich das Monopol behalten wenn in Deutschland oder in Europa nicht auf dem Gebiet geforscht wird.“
Man könne den Fortschritt, die Genforschung nicht aufhalten. Erfurts landwirtschaftlich nutzbare Fläche beträgt gerade einmal 1000 Hektar. Das macht ca. 6% der gesamten Ackerflächen im Raum Erfurt aus. Sie vergleicht die Genforschung, als ein Einschnitt in die Natur, mit den Kreuzungen von Pflanzen oder Hunderassen. Das seien damals auch wichtige Einschnitte in die Natur gewesen, und überall hätte es Risiken gegeben so Ingeborg Aßmann. Der SPD Stadtrat Wolfgang Beese sprach sich ebenfalls gegen ein gentechnikfreies Erfurt aus. Seiner Meinung nach gibt es keine Technologie die völlig gefahrlos sei und 60% aller Lebensmittel seien schon jetzt in irgendeiner Weise gentechnisch verändert. Lediglich für eine Kennzeichnung von Lebensmitteln sprach Wolfgang Beese sich aus.
Thomas Meier, Stadtrat von BÜNDNIS ’90/ DIE GRÜNEN, sprach von über 90% der Bevölkerung, die sich gegen Gentechnik in der Landwirtschaft aussprechen. Auch der weit überwiegende Teil der Lebensmittelverarbeiter und Händler würde gentechnisch freie Rohstoffe haben wollen. Außerdem so Thomas Meier:
„Auch wurde in dieser Sitzung erwähnt, dass der Einsatz von Pestiziden bei Anwendung von Genpflanzen zurückgeht, zumindest in den ersten drei bis vier Jahren ist das so. Danach springt der Einsatz von Pestiziden sprunghaft wieder an, weil sich die Organismen schon wieder an die Pestizide gewöhnt haben.“
Der Bereich der Gentechnik wurde im Stadtrat trotz einiger Argumente dagegen als positiv betrachtet. Erfurt wird nicht dem Aktionsbündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft in Thüringen beitreten und auch keine gentechnisch freie Region sein.
(Miriam Lohölter)
Sanierung des Heizwerks
Mitte April finden in Erfurt zwei klassische Konzerte im alten Heizwerk statt. Bereits im September 2008 begannen die Sanierungen zur Sicherung des denkmalgeschützten Gebäudes. Dazu äußerte sich Dr. Holger Wiemers, Pressesprecher der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen:
„Es ist noch keine Sanierung in dem Sinne, dass wir schon für einen konkreten Nutzer jetzt die Innenräume gestalten. Die Sicherung läuft soweit planmäßig, wir haben jetzt das Dach weitgehend fertig gestellt, auch die Kellerdecke im Kesselhaus ist fertig. Und momentan laufen noch Arbeiten an der Außenfassade.“
Von außen betrachtet soll das alte Heizwerk dann dem früheren Aussehen entsprechen. Mitverantwortlich dafür sei die Kooperation zwischen Stadt und Land:
„Wir haben ja mit verschiedenen Ämtern und Behörden Kontakt gehabt, mit der Stadtverwaltung beispielsweise, auch mit den Denkmalbehörden. Es ist sicherlich sehr erfreulich wenn es gelingt, einem so traditionsreichen Gebäude den Ursprungszustand weitgehend wiederherzustellen - im Bereich der Fassadengestaltung - und da waren sich auch alle Akteure einig.“
Ein konkreter Investor für das seit 1999 leer stehende Gebäude ist jedoch noch nicht gefunden worden. Auch müsse noch viel Geld in das Heinzwerk investiert werden, bevor es zu einer dauerhaften Nutzung kommen könnte. Positiv vermerkt Holger Wiemers allerdings, dass auch in diesem Jahr noch weitere Veranstaltungen geplant sind:
„Wir werden auch in Zukunft - sicherlich in Ausnahmefällen - immer mal Veranstaltungen durchführen können. Es ist zum Beispiel geplant, im September mit der Architektenkammer eine Ausstellung im Heizwerk zu zeigen..“
Das Gebäude liegt im Erfurter Brühl und damit in direkter Nähe zum Theater und Dom. Das Heizwerk könnte bei einer dauerhaften Nutzung also aktiv zu einem besseren Stadtbild beitragen. Umso bedauernswerter ist es, dass im Amt für Stadtentwicklung offenbar niemand Interesse an der Gestaltung des Gebäudes hat. Auf Anfrage von Radio F.R.E.I. wollte sich niemand zum Thema äußern.
(Fabian Paschke)